Denormalisierung löst im Normalismus Alarm aus

Year 2007
Material Digitaldruck auf Leinwand

„Die künstlerische Arbeit „Denormalisierung löst im Normalismus Alarm aus …“ [nach Jurgen Link]* beschäftigt sich mit Normalitätsgrenzen, an deren Ort die Regelung von Inklusion/Exklusion stattfindet und die Abgrenzung von Extremzonen der Anormalität vollzogen wird. Die Grade der Normalisierung wie der Denormalisierung werden auf der Basis von Verdatung statistisch gemesssen.
Aus diesem Datenfluss werden Normalitätslandschaften generiert, in der eine Person/Körper zwischen Normalität und Abweichung definiert wird.
Bei der Messung von Untersuchungswerten eines ungeborenen Kindes wurde ein Grenzwert aufgespürt. Alarm wird ausgelöst. Der Grund für den Alarm wird nicht erläutert. Die Zahl an sich gibt weder Aufschluss über ihre Bedeutung noch über mögliche Konsequenzen, die sich aus dieser Verortung heraus ergeben. Der/die Betrachter_in wird ratlos über den vermeintlichen Alarm zurückgelassen.“

* Jürgen Link, Versuch über den Normalismus. Wie Normalität produziert wird, 3. Auflage,
Göttingen: Vandenhoeck + Ruprecht 2006, S. 40

Marianne Pührerfellner im Interview mit Johanna Schaffer (Auszug)

Du beschäftigst dich lange schon mit Normalisierungsprozessen. Was interessiert dich daran?

Im Leben stößt man sehr schnell an Normalisierungsgrenzen. Eine Person wird nicht mehr als individueller Körper wahrgenommen, sondern dividuell (dh. bestehend aus Nummern-kombinationen/Chiffren) und in eine Masse an Stichproben, Daten, Wahrscheinlichkeiten, Märkten eingeordnet.

Besonders durch den Einsatz digitaler Technik steigen die Möglichkeiten, Daten und Zahlen zu erheben und zu vergleichen. Durch diese Vergleiche werden mit Hilfe der Statistik vermeintliche Normalitätswahrheiten geschaffen, z.B. durch statistische Darstellungen in Tageszeitungen und Magazinen. Dadurch wird das Netz an Normalisierungsgrenzen immer dichter, immer mehr Kontrollpunkte entstehen.

Besonders diese Kontrollpunkte an scheinbaren Normalisierungsgrenzen finde ich spannend. Hier ist nicht klar, für welche Seite man sich in diesem binären System entscheiden soll. Ist diese Zahl noch im normalen Bereich oder nicht mehr? Bereits eine geringe Abweichung von der vorge- gebenen Toleranzgrenze wird immer öfter und schneller als pathologisch gesehen und wenn nicht, dann ist der Wert zumindest beunruhigend und deshalb beobachtungswürdig.

Informationen zur Ausstellung  von Johanna Schaffer https://www.academia.edu/19773772/Love_Me_Gender._Linz_2007